
Beim nächsten Verbandstag am 6. Juni 2026 wird Heribert Ohlmann nicht erneut für das Präsidentenamt kandidieren. Im Interview mit dem Saarfußball-Magazin spricht der Präsident über seine Beweggründe, prägende Erfahrungen und die kommenden Herausforderungen für den Saarfußball.
Ich bin im September 2020 als Präsident angetreten, das war so eigentlich nicht geplant. Ich bin damals aber gerne eingesprungen, um den Saarländischen Fußballverband wieder in ruhigere Fahrwasser zu bringen.
Von den 21 Präsidenten der Landes- und Regionalverbände bin ich inzwischen der Älteste. Im Laufe des letzten Jahres habe ich mir daher viele Gedanken gemacht und den Entschluss, aufzuhören, auch familiär abgestimmt.
Es war für mich eine große Ehre, Präsident zu sein. Ich habe dem Verband sehr gerne geholfen.
Mein Weg im Fußball begann 1971 als Schiedsrichter, 1976 wurde ich Gruppenobmann. Bis heute bin ich Ehrenmitglied bei „meinem“ SC Alsweiler.
Beruflich habe ich am Gymnasium Wendalinum als Schulleiter rund 70 Lehrer geführt. Das hätte ich nie machen können, ohne Schiedsrichter gewesen zu sein. Das Agieren als Unparteiischer stärkt das Selbstbewusstsein und das Kommunikationsvermögen. Man lernt, auch Fehlentscheidungen zu moderieren.
Ich sehe mich als Teamplayer. Mir war es immer wichtig, meinen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand zu vertrauen und ihre Qualitäten einzubinden. Es geht nur kollegial. Man muss mit den Menschen auf Augenhöhe reden.
Ich übergebe einen gut aufgestellten Verband mit rund 105.000 Mitgliedern. Das entspricht etwa einem Drittel aller Mitglieder im Landessportverband für das Saarland – statistisch gesehen ist also jeder zehnte Saarländer Mitglied in einem unserer 354 Vereine.
Der Verband ist finanziell gesund. Aber auch wir müssen kämpfen: Auf der einen Seite werden die Zuwendungen aus dem Sportachtel geringer, auf der anderen Seite steigen die Kosten, unter anderem die Personalkosten.
In der SFV-Geschäftsstelle arbeiten 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, rund 32 Prozent unseres etwa zwei Millionen Euro umfassenden Etats fließen in diesen Bereich. In anderen Verbänden liegt der Personalanteil bereits bei 50 Prozent.
Die zentrale Frage lautet: Wie bekommen wir weiterhin genügend Menschen für den Fußball begeistert und wie lange kann das Ehrenamt die Vielzahl neuer Aufgaben noch bewältigen?
Wir müssen uns auch damit beschäftigen, welche Aufgaben künftig stärker ins Hauptamt verlagert werden müssen.
Der DFB spricht im Umgang mit Ehrenamtlichen von der sogenannten Viererkette: Gewinnen – Qualifizieren – Wertschätzen – Verabschieden.
Durch neue Themen wie Kinderschutz oder den Umgang mit Gewaltvorfällen sowie durch höhere Qualitätsansprüche in der Ausbildung gewinnt die Qualifizierung enorm an Bedeutung. Das gilt ebenso für den Bereich der Schiedsrichter.
Wir müssen weiterhin neue Unparteiische gewinnen, vor allem aber überlegen, wie wir sie langfristig an uns binden können. Zu viele hören nach kurzer Zeit wieder auf – Gewalt auf den Plätzen oder gegen Schiedsrichter ist dabei leider ein wesentlicher Faktor.
Ja, absolut – genauso wie der gesamte Vorstand. Lars Diedrich ist seit 2020 Vizepräsident des SFV und hat insbesondere die Bereiche Verbandsentwicklung und Spielbetrieb verantwortet.
Er ist eine Persönlichkeit, die den Verband in den vergangenen Jahren maßgeblich mitgestaltet hat. Vorstand und Präsidium unterstützen seine Kandidatur ausdrücklich.
Heribert, vielen Dank für das Interview.




